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Vulkan Chaiten aktiv
 
Geschrieben von Olaf am Montag, 12. Mai 2008

Content Am zweiten Mai gab es um zwei Uhr morgens eine Vulkaneruption sowie seismische Aktivitäten im Gebiet um Chaiten. Chaiten liegt in der X. Region Chiles und zwar in der Provinz Palena, etwa 1200 km südlich von Santiago de Chile, in Patagonien.


Ein Flugzeugüberflug an diesem Tag brachte wegen schlechter klimatischer Bedingungen keine genauen Details, aber es wurde von ONEMI die Meldung herausgegeben, dass der eisbedeckte Vulkan Michinmahuida ausgebrochen sein. Ein Expertenstab wurde entsandt. Ein "red alert" wurde ausgesprochen.
Etwa 250 Personen aus der näheren Umgebung des Pumalinparks (Parque Pumalin, siehe Douglas Tompkins) wurden am gleichen Nachmittag evakuiert. Später fand man heraus, dass nicht der Vulkan Michinmahuida, sondern der Vulkan Chaiten, etwa 10km östlich von der gleichnamigen Stadt ausgebrochen war. Dieser Vulkan liegt zur Hälfte auf fiskalem Land, zur Hälfte auf dem Land des Privatparks Pumalin (Douglas Tompkin). Die Staubwolke, die emporgeschleudert wurde, konnte bis etwa 180km entfernt gesehen werden. Im Laufe des dritten Mai werden dutzende Beben in Chaiten registriert, Ursache sind die Vulkanaktivitäten.

Der Vulkan Chaiten brach vor etwa 9700 Jahren das letzte Mal aus, dies war jedoch eine so gewaltige Eruption, das im Umkreis bis zu 5 Meter dicke Ascheschichten abgelagert wurden. Seither ruht der Vulkan.

Im Laufe des Nachmittags und des Abends werden viele Einwohner aus Chaiten evakuiert oder reisen auf eigene Faust aus dem Gefahrenradius des Vulkans. Es verbleiben noch etwas über 100 Einwohner / Regierungsangestellte in Chaiten.

Am dritten Mai fliegt Frau Bachelet in die Region, um sich vor Ort zu erkundigen, welche Massnahmen getroffen werden. Inzwischen ist auch die argentinische Provinz Chubut vom Ascheregen betroffen, der in dicken Schichten alles bedeckt. Es fehlen Staubschutzmasken und Trinkwasser. Die Wasserwege sind verseucht, und die Rinder und Schafsherden sind bedroht, da logischerweise die Weiden von Asche bedeckt sind.

Am fünften Mai beginnt die Evakuation von Futaleufú, welches durch den Ascheregen arg betroffen ist und bisher etwas "vernachlässigt" wurde. Die Präsidentin Bachelet reist nach Futaleufú und bespricht die Notfallpläne. Es fehlen vor allem WASSER und Nahrungsmittel. Die Hilfsaktion rollt an, die ersten Wasserfahrzeuge kommen aus dem benachbarten Argentinien. Auch Coyhaique schickt Hilfe. 40% Futaleufús sind evakuiert.

Am sechsten Mai früh gibt es eine gewaltige Eruption, bei der die bisher zwei Krater des Vulkans zu einem werden. Es wird die Totalevakuation eines Gebietes von 30km um den Vulkan angeordnet. Vor Gericht wird eine Zwangsverbringung genehmigt, d.h. diejenigen, die sich der Evakuierung bisher widersetzt haben, können durch die staatlichen Kräfte mit Gewalt vom Ort des Geschehens verbracht werden.

Auf Marineschiffen sowie über den Landweg werden die restlichen Einwohner Chaitens evakuiert. Sie müssen alles zurücklassen, was ihnen lieb und teuer ist, u.a. auch ihre Haustiere. Sie werden nach Puerto Montt gebracht oder nach dem Süden, in unsere Region. Man rückt enger zusammen, um die Neuankömmlinge aufzunehmen. Während der Überfahrt nach Puerto Montt gibt es das erste und hoffentlich einzige Opfer dieses Vulkanausbruchs. Eine 92jährige verstirbt noch auf dem Marineschiff aufgrund von Atemwegsbeschwerden.

Die Experten meinen, die Situation hat sich verschlimmert. Die Auschewolken könnten sogar bis Buenos Aires gelangen, oder eventuell auch nach Santiago. Der Krisenstab berät über die weitere Vorgehensweise.

Siebter Mai: etwa 200 Evakuierte aus Futaleufú erreichen früh um vier Uhr einen Militärstützpunkt in Osorno. Die Situation ist angespannt. Aufgrund des Fehlens einer Straßenverbindung von der XI zur X. Region ist die Evakuierung nach Norden entweder über das Meer (bei sehr unruhigen Bedingungen) oder über Argentinien möglich. Die Öffnungszeiten der Grenzkontrollpunkte werden erweitert, und Aus-/ Einreise der Evakuierten wird erleichtert, wo nur möglich. Man braucht auch keine sonst obligatorische Auslandsversicherung für das Auto vorzuweisen.

Um den Straßenbau von der X. zur XI. Region wird seit über zwanzig Jahren gehadert (es fehlen etwa 67km Straßenverbindung). Der Großteil der Bevölkerung, vor allem im Süden Chile steht hinter dem Straßenbau, jedoch hat die Regierung bisher noch nicht die notwendigen Schritte unternommen, um diesen auch in die Tat umzusetzen. Bis auf weiteres ist so Chile auf seinem kontinentalen Teil in drei Teile gesplittet: der Hauptteil Chiles (bis etwas südlicher Puerto Montt), die XI Region de Aysén mit Provinz Palena zugehörig der X. Region(in der Provinz Palea erfolgte der Vulkanausbruch) sowie die XII. Region Magallanes-Antarktis sind die drei Hauptgebiete.

Das Militär bringt 30.000 Liter Trinkwasser nach Futaleufú. Die Ascheschicht erreicht in Futaleufú eine Mächtigkeit von dreißig Zentimetern, macht den Tag fast zur Nacht.

In Uruguay werden Flüge nach Buenos Aires ausgesetzt, weil Turbinenschäden durch die Aschepartikel befürchtet werden, die im weiteren Verlauf sogar die Randgebiete um Buenos Aires erreicht.

Achter Mai: Polizei und Militärkräfte holen die letzten Verbliebenen aus der Gefahrenzone heraus, Es bleibt nur noch ein reduzierter Stab an Militärkräften in der Zone.

Lastkraftwagen mit Futter und Wasser für die betroffenen Rinder und Schafsbestände treffen in Futaleufú ein.

Präsidentin Bachelet anerkennt die guten Beziehungen zum Nachbarland Argentinien. Die Aschewolken erreichen Buenos Aires und können den Flugbetrieb gefährden. Sogar bis hinüber nach Uruguay so befürchtet man - könnten die Auswirkungen des Vulkans reichen.

Zum 9. Mai ist Frau Bachelet wieder vor Ort, um sich über die Fortschritte und Gegebenheiten zu informieren. In einer Kommandoaktion werden sämtliche Dokumente aus dem Grundbuchamt Chaitens gerettet. In Zukunft wird der Ort Palena Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz , nicht mehr Chaiten wie bisher. Experten bestätigen, dass ein Lavafluss aus dem Vulkan die Ortschaft Chaiten binnen 6 Minuten vernichten könnte. Wir hoffen auf einen glücklichen Ausgang. 3,5 Millionen Lachse werden an einen Ort mit gleichartigen Verhältnissen vor der Insel Chiloe verlegt.

Am 10. Mai kommt die Präsidentin im Hubschrauber nach Chaiten. Gleichzeitig wird ein Programm bekannt, wonach die betroffenen Familien umfangreich unterstützt werden sollen, mit einer Sofortunterstützung für beherbergung, Essen, das Notwendigste im Wert von umgerechnet etwa 800 EUR. Die Rinder- und Schafsherden werden aus den gefährdeten nach Norden oder Süden verbracht.

Sonntag, 11. Mai 2008: Vulkanologe Luis Lara vom SERNAGEOMIN meint, dass durch die 7km hohe Aschewolke und die starken Erschütterungen, die das unmittelbare Gebiet um den Vulkan erschüttern, weiterhin eine große Gefahr vom Vulkan ausgeht.

Die Vorgänge am Vulkan Chaiten gehören zu den bisher komplexesten die Chile auf diesem Gebiet zu bewältigen hat. Von den 7000 evakuierten Personen befinden sich derzeit etwa 4000 in Puerto Montt, unter schwierigen Bedingungen.

Die Ungewissheit über den Fortgang des Vulkanausbruchs beschäftigt das Land. Seit acht Tagen ist der Vulkan aktiv und keiner weiß, wie lange das noch anhalten wird.

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